Für Andreas Schmitt
    Für Andreas Schmitt

Mein Herz in Worten für Dich

Hallo.

Ich gieße Deine Palme. Ich sammele die verwelkten Blätter auf und zünde eine neue Kerze an. Ich lese Deinen Namen und wieder stirbt ein Teil in mir.

Und ich steige ins Auto und fahre nach Hause.

Ich sehe dich in dem schmächtigen Jungen, der mit übergroßem Fahrradhelm ganz ernsthaft und würdevoll in unserer Straße sein neues Fahrrad ausprobiert. Er hat ein kleines Erfolgs-Lächeln auf den Lippen und die kleinen Angstblitze in seinen Augenwinkeln sind kaum wahrnehmbar. Er kann’s.

Und ich wende mich vom Fenster ab und räume die Spülmaschine ein.

Ich sehe Dich als kleinen Jungen im Garten, wo du mit Wolle phantasievolle Seilbahnen über die Sträucher spannst. Alle Deine Playmobilfiguren treten dann eine fantastische Reise durch das Seilbahnlabyrinth an. Sie flitzen, wo es steil bergab geht und sie verweilen, wo es waagerecht ist.

Und ich sammele die Äpfel ein und gehe zurück ins Haus.

Ich sehe dich in dem jungen Mann, der in seinem roten T-Shirt ganz aufgeregt am Bahnsteig entlang läuft. Er schaut immer wieder auf sein Handy – ob wohl noch eine SMS kommt? Mit welchem Zug wird sein Warten ein Ende haben. Immer wieder muss er mit beiden Händen zur Hüfte greifen um die zu weite Hose hochzurücken. Und wieder ein nervöser Blick zum hereinfahrenden Zug und dann zum Handy.

Und ich wende mich ab und steige in meinen Anschlusszug ein.

Ich sehe Dich in dem jungen Mann im Baumarkt. Intensiv prüft er die Anschlussstücke für die anstehende Wasserhahninstallation. Welche Zollgröße war es – welches Material ist wohl am besten. Der Preis ist nicht ohne – da bekommt er Sorgenfalten auf die junge Stirn und rückt mit einer mir so vertrauten Handbewegung die Brille zurecht.

Und ich fliehe in den nächsten Gang und schaue mir Abflussschläuche an.

Ich schaue Dein Bild an und finde, dass Du heute traurig blickst. Deine Augen wirken noch dunkler als sonst und Dein Lächeln gequält. Ich möchte Dir sagen, dass alles gut wird, dass du ein schönes Leben haben wirst. Ich zünde zwei neue Kerzen an und stelle sie vor dem Bilderrahmen auf.

Und ich setze mich zurück auf das Sofa, streichele die Katze und lese weiter in meinem Buch.

...

...

Und ich sehe dich durch den Türrahmen gehen. Mit der typischen Haltung großer Menschen: mit leicht eingezogenem Kopf und nach vorn geneigtem Oberkörper. Und ich sehe, wie Du nach Deinem Schlüssel greifst und Dein Handy prüfst. Und Du sagst: tschüss Mama, ich weiß noch nicht wann ich wieder vorbeikomme. Ich ruf an.

Und ich gieße Deine Palme. Ich sammele die verwelkten Blätter auf und zünde eine neue Kerze an. Ich lese Deinen Namen und wieder stirbt ein Teil in mir.

Und ich steige ins Auto und fahre nach Hause.

Lg Mama

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Hallo,
ich bin eine Freundin von Andreas aus dem Kindesalter. Als er damals in den Ferien bei "Baldesse" war, haben wir Kinder aus der Nachbarschaft immer mit ihm gespielt.

Ich bin sehr schockiert über den Unfall.

All die Jahre in denen wir uns nicht gesehen haben, gab es immer mal Augenblicke an denen ich an ihn gedacht habe. Wie jetzt grade. Ich dachte ich such ihn mal über wkw und war happy, als ich ihn sofort, trotz des Altersunterschied wiedererkannt habe.

Das er mittlerweile gestorben ist macht mich traurig...

Ich glaube als kleines Mädchen war ich ein wenig in ihn verknallt :-) So weit ich mich noch erinnern kann, konnte ich es kaum erwarten, bis er in den Ferien endlich kam. Jeden Tag habe ich das Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite beobachtet und gehofft, dass er da ist. Wenn es dann so weit war, waren wir Kinder aber dann immer etwas schüchtern und kamen meistens erst nach ein bis zwei Tagen in Kontakt. Aber wir waren immer alle fasziniert von ihm! Er war der Junge aus der für uns damals großen Stadt und kannte Sachen von denen wir noch nicht mal was gehört hatten. Ich weis noch wie er das Lied von den Ärzten "Männer sind Schweine" auf CD dabei hatte. Wir haben uns mit zu Baldesse geschlichen und dort das Lied gehört. Ich glaub Annette kam dann irgendwann rein und meinte, was wir denn da hören?! Das war uns peinlich, aber Andreas ging immer sehr locker mit solchen Sachen um. Was mir auch noch einfällt ist, als wir den "Bunker" (ich glaub das war ein in die Erde eingelassener Wassertank) hinterm Dorf auf dem Acker entdeckt haben. Der war innen leer und ab dann unser Geheimversteck. Einmal waren wir beide alleine da drin und er hatte sogar eine Kerze mitgebracht... für das romatische hat er glaub damals erklärt... :-)

Ich habe ihn immer vermisst, wenn er nicht da war und wenn wir mal nach Koblenz gefahren sind, habe ich immer nach ihm Ausschau gehalten. Aber leider haben wir uns nie wieder gesehen... Liebe Grüße
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und lasse dir zum schlimmsten tag
ein herz aus blumen binden
bestäube es mit sehnsüchten
benetze es mit herzensblut
leg es auf deinen letzten platz
und werde keinen trost finden


so viele tage schon seitdem
ein anfang und ein ende hatten
so häufig flehend und bettelnd
mit bangem herzen nach der wahrheit fragend
stand ich vor deinem letzten bild
und sah nur dunkle schatten


und morgen fängt es wieder an
ein neues trauerjahr
mit lachen und mit scherzen
mit sorgen und voll alltagskram
und wieder geht die zeit dahin
und nichts wird wie es war

lg mama

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Andi, wo bist Du?

Flehe den Himmel an - wo bist Du?

Schau, schau Himmel in mein Herz

so voller Liebe

so vollen Teilnahme

so voller Demut

Himmel - wo bist Du?

Rufe die Hölle an - wo bist Du?

Sieh, sieh Hölle meine schwarze  Seele

so voller Haß

so voller Rache

so voller Schmerz

Hölle - wo bist Du?

Träume auf der Erde - wo bist Du?

Fühl, fühl Erde mein Dasein

so endlos leer

so unendlich schwer

und voller Hoffnung auf ein Wiedersehen

Erde - wo bist Du?

 

Bitte - wo bist Du?

                                     Mama

 

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Suche Dich – suche mich – suche uns.


Suche Dich.
Auf der anderen Seite des Regenbogens?
Oder an Deinem Lieblingsplatz – die Sonne genießend?
Oder bei Deiner ersten Liebe – zärtlich ihre Hand berührend?
Oder bei Deiner großen Liebe – ihren Duft atmend?
Oder bei Deiner letzten Liebe – gedankenversunken in die Zukunft blickend?
Oder bei Deinem Freund – an die gemeinsamen Wege erinnernd?
Oder bei Deinem Feind – in die Fratze des Abgrundes schauend?
Oder auf der anderen Seite des Regenbogens?

Suche mich.
Auf der einen Seite des Regenbogens?
Oder an meinem Lieblingsplatz – vom Licht geblendet ?
Oder im Dunst des Handelns – vom Eifer gefesselt?
Oder im Kreis der Lieben – gefühlte Einsamkeit?
Oder im Raum der Ängste – meinen eigenen Dämonen begegnend?
Oder in meiner Erinnerung – liebevoll und zerstörend?
Oder auf der einen Seite des Regenbogens?

Suche uns.
Im Mittelpunkt des Regenbogens?
Oder in der hellen Sonne. – Ursprung unseres Seins?
Oder im Universum – Heimat der Seelen?
Oder in der Virtualität– erfundene Realität?
Oder hier – in verschiedenen Ebenen?
Oder im Mittelpunkt des Regenbogens?

Suche Dich – suche mich – suche uns.

                                                              Mama

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wie lieb Du uns noch bist

wie sehr wir Dich vermissen

wie unvergesslich doch Dein sein

uns allen immer ist.

 

wie emsig wir erinnern

wie fleißig wir bewahren

wie hoffnungsvoll wir warten

auf  unser wiedersehn.

 

wie wenig wir loslassen

wie stark die bande sind

wie machtvoll  unser glaube

so sehr wir trennung hassen.

 

wie ewig Du doch bist

wie fest ein teil von uns

wie schön Du immer bleibst

wie glanzvoll alles ist.

 

In Liebe Mama

 

 

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© Eveline Puderbach